Infomarkt Westküstenleitung
Natur und Umwelt

Natur und Umwelt

Die Westküste Schleswig-Holsteins bietet nicht nur den Anwohnern und Touristen, sondern auch vielen geschützten Tier- und Pflanzenarten einen wert­vollen Lebensraum. So zeichnet sich Schleswig-Holstein und insbesondere Nord­friesland als ein von Vögeln stark frequen­tiertes Gebiet aus. Naturschutz und Land­schafts­schutz nehmen einen hohen Stellenwert ein, der nicht zuletzt zum Tourismus beiträgt.

Bei der Planung der 380-kV-Leitung vom Umspannwerk in Klixbüll bis zur Bundesgrenze Dänemark wurde nicht zuletzt daher großen Wert auf umwelt- und landschaftsrechtliche Belange gelegt und eine sogenannte Umwelt­verträglich­keits­prüfung (UVP) durchgeführt. Sie umfasst die Ermittlung, Beschreibung und Bewertung der Auswirkungen des Vorhabens auf die verschiedenen Schutzgüter Mensch, Tiere und Pflanzen, Landschaft sowie das kulturelle Erbe und weitere Schutzgüter und bildet die Grundlage für eine umweltschonende Planung. Auf dieser Basis legt ein Land­schafts­pflegerischer Begleitplan (LBP) die Wirkungen der Planung dar und zeigt Maßnahmen auf, um nicht vermeidbare Eingriffe zu minimieren bzw. gegebenenfalls auszugleichen.

Schutzgut Mensch

Bei der Planung der neuen Höchst­spannungs­leitung wurden die Auswirkungen auf den Menschen genau untersucht. Berücksichtigt wurde dabei der Schutz vor möglichen schädlichen Umwelt­einflüssen wie elektromagnetische Felder und Lärm sowie die Beeinträchtigung der sogenannten Sicht­beziehungen.

Grundsätzlich wurden bei der Planung der Frei­leitung Siedlungsgebiete besonders berücksichtigt. Über weite Teile verläuft die Leitung in großer Ent­fernung zu Wohnbebauung. Schädliche Umwelt­ein­wirkungen können aber auch hier ausgeschlossen werden. Im Zuge der Genehmigungs­planung wurden immissions­schutz­rechtliches Gutachten erstellt, in denen die Maximalwerte der elektrischen und magnetischen Felder sowie die Schall­immissionen für diese Leitung untersucht wurden. In allen Bereichen werden die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte deutlich unter­schritten.

Elektromagnetische Felder

Überall wo Strom fließt, gibt es elektrische und magnetische Felder. Das gilt für jedes Haus­halts­gerät und selbstverständlich auch für Höchst­spannungs­leitungen.

Das elektrische Feld einer Höchstspannungsleitung resultiert aus der Betriebsspannung der Leitung. Die Stärke eines elektrischen Feldes wird gemessen in Kilovolt pro Meter (kV/m). Die Feldstärke nimmt mit dem Abstand vom Leiterseil deutlich ab. Bäume, Vegetation und Gebäude reduzieren das Feld noch weiter.

Das magnetische Feld resultiert aus dem fließenden Strom in der Leitung. Die Feldlinien verlaufen in konzentrischen Kreisen um die Leiterseile. Auch hier wird die Stärke des Feldes mit zunehmendem Abstand vom führenden Leiterseil deutlich geringer. Die Stärke des magnetischen Feldes – auch als magnetische Flussdichte bezeichnet – wird gemessen in Mikrotesla (µT). Je größer die Stromstärke ist, desto höher ist auch die magnetische Feldstärke. Im Gegensatz zum elektrischen Feld durchdringen Magnetfelder fast ungehindert die meisten Materialien.

Um den Menschen vor schädlichen Umwelt­einflüssen durch elektrische Felder zu schützen, sind in der 26. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (26. BImSchV) ver­bindliche Grenzwerte festgesetzt. Auch nach der Novellierung der Verordnung 2013 wurden die Grenzwerte wiederholt bestätigt. In Bereichen für den dauernden Aufenthalt der allgemeinen Bevölkerung gelten: eine elektrische Feldstärke von 5 Kilovolt pro Meter (kV/m), eine magnetische Flussdichte von 100 Mikrotesla (µT). Der Mess­punkt für diese Grenzwerte liegt direkt unter der Leitung einen Meter über dem Boden.

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Geräuschbelastungen

Sowohl beim Bau als auch bei dem Betrieb von Stromleitungen kann es zu Geräusch­entwicklung kommen. Neben dem temporären Baulärm kann es während des Betriebs der Freileitung, wenn überhaupt, nur bei sehr feuchter Witterung (Regen oder hohe Luftfeuchte) zu sogenannten Korona-Entladungen an der Oberfläche der Leiterseile kommen. Dabei können, zeitlich begrenzt, Geräusche verursacht werden. Die Schallpegel hängen neben den Witterungs­bedingungen im Wesentlichen von der elektrischen Feldstärke auf der Oberfläche der Leiterseile ab.

Die Immissionsrichtwerte für jegliche Geräusch­entwicklung sind in der Technischen An-leitung zum Schutz gegen Lärm festgehalten. In reinen Wohngebieten darf ein Geräuschpegel von 50 Dezibel tagsüber in der Regel nicht über­schritten werden. Nachts sinkt der Richtwert auf 35 Dezibel. Nur in Einzelfällen und kurzzeitig ist es erlaubt, diese Werte zu überschreiten.

Schutzgut Tiere und Pflanzen

Bei der Planung der neuen Höchst­spannungs­leitung wurden ebenfalls die Auswirkungen auf die Schutzgüter Tiere und Pflanzen untersucht. Dabei wurden besonders Beein­trächtigungen der Lebens­räume von Tieren und Pflanzen durch Zerstörung, Barrierewirkungen oder auch Lärm während der Bauphase beachtet. Die Trassenführung berücksichtigt hochwertige Bereiche wie die Natura2000, FFH und Vogel­schutz­gebiete sowie bedeutende Rast- und Brutgebiete von Vögeln. Auch Wälder werden gemieden.

Zur Vermeidung von Beeinträchtigungen sind viel­fältige Maßnahmen möglich, wie bspw. Vergrämung, Bauzeitregelungen während der Brutsaison, Schutz­einrichtungen der Baufelder wie Amphibienzäune, etc. Können Beeinträchtigung nicht verhindert werden sind konkrete Kom­pen­sations­maßnahmen geplant. Mittels Ökokonten können unter anderem beeinträchtigte Biotope oder auch Tierlebensräume in Trassennähe ausgeglichen werden.

Amphibienschutzzaun

Amphibienschutzzaun 

Schutzgut Landschaft

Das Schutzgut Landschaft ist besonders durch die Sichtbarkeit der zwischen 40 und 65 Meter hohen Freileitungsmasten betroffen.

In der Planung wurden wo möglich insbesondere unbelastete offene Landschaften und auch Wäl-der durch Orientierung der Trasse an bestehenden Infrastrukturen (Straßen oder Wind­parks) geschont. Beeinträchtigungen werden durch eine Kompen­sationszahlung an das MELUND ausgeglichen. Diese Zahlung für Eingriffe in das Landschaftsbild muss zweck­gebunden für den Naturschutz verwendet werden.

Schutzgut Wasser

Wasser als schützenswertes Gut ist durch die geplante Stromleitung nicht stark betroffen, da Oberflächen- und Fließgewässer überspannt werden können. Lediglich Auswirkungen während der Bau­phase, vor allem bedingt durch temporäre Verrohrungen von Gräben, sind möglich. Diese sind jedoch nur temporär und führen lediglich zu sehr geringen Beeinträchtigungen.

Schutzgut Boden

In der Planung wird darauf geachtet, Beein­trächtigungen von seltenen oder empfindlichen Böden oder auch Geotopen zu vermeiden. Ihr Vorkommen fließt in die Korridorabwägung mit ein. Dort wo notwendig werden bspw. Standorte der Masten außerhalb dieser Flächen geplant. Zudem gibt es bewährte Maßnahmen zur Vermeidung von Verdichtung und anderen Bodenschäden, die während des Baus umgesetzt werden.

Um Bodenverdichtungen über den gesamten Bauzeitraum zu vermeiden, werden bspw. Zuwegungen mit sogenannten Baggermatten (meist Stahlplatten) ausgelegt. Die Baggermatten werden als Baustraßen auf weichen, nicht trag­fähigen Unter­gründen und Wiesenflächen genutzt. Die Platten dienen ebenfalls als Montage­flächen für die gelieferten Mastteile. Empfindliche Böden werden mit den Platten bedeckt und geschützt, da das Gewicht nicht direkt über die Reifen an den Boden, sondern erst auf die Stahlplatte übergeht. Diese federn den Druck auf einer viel größeren Fläche ab und verteilen ihn entsprechend breit. Die Platten sorgen außerdem dafür, dass Unebenheiten im Gelände ausgeglichen werden und durch die Baustellenfahrzeuge keine weiteren entstehen.

Schutzflies_Baustraße

Schutzvlies unter geschotterten Baustraßen

Kulturelles Erbe

Unter das Schutzgut kulturelles Erbe fallen bei­spiels­weise schützenwerte historische Bauwerke, aber auch Grabhügel und Natur­denkmale. Diese berücksichtigen wir in der Planung und der dann folgenden Abwägung, sodass keine direkte Beein­trächtigung oder Zerstörung auftritt. Auch Sicht-beziehungen bspw. zu höhen­wirksamen Denk­malen wie alten Kirch­türmen werden soweit mach-bar durch eine Optimierung der Trassen­führung möglichst minimiert.

Kompensationen 

Trotz aller planerischen Bemühungen lassen sich beim Bau der Höchstspannungsleitung Eingriffe in die Natur nicht ganz vermeiden. Das Land­schafts­bild verändert sich, an einigen Stellen wird der Lebens­raum für Tiere verkleinert oder zerschnitten und manchmal müssen kleinere Waldgebiete der neuen Leitung weichen. TenneT gleicht alle entstandenen Eingriffe in Natur und Landschaft durch natur­schutzfachliche Kompen­sations­maßnahmen in der Region aus. Wie und wo TenneT die Eingriffe kompensiert wird ebenfalls im Landschafts­pflegerischen Begleitplan (LBP) beschrieben. Der LBP wird von externen Umwelt­planern erstellt, die unter anderem in sogenannten Maßnahmen­blättern die Art, den Umfang, die Örtlichkeit sowie den grund­sätzlichen Zeitpunkt der Umsetzung der jeweiligen Kom­pen­sations­maßnahme (Vermeidungs-, Schutz-, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme) beschreiben.

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